Corona-News

Aktuelles aus der Forschung rund um das SARS-CoV-2-Virus und seine Folgen.

    

Aktuell: Neue Besuchsregelung ab 2. Juni 2020

Stand: 29. Mai 2020

Im Patienten- und Besucherinteresse haben sich die Kliniken in der Region Hannover auf möglichst einheitliche Standards für Besuchsregelungen ab dem 2. Juni 2020 verständigt. Im Zentrum aller Vorgaben steht der Schutz von Patientinnen und Patienten. Die folgenden Eckpunkte gelten für alle somatischen Standorte des KRH Klinikums Region Hannover (KRH), die Medizinische Hochschule Hannover (MHH), die Häuser von DIAKOVERE, das Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult, das Vinzenzkrankenhaus, das Clementinenhaus, die Sophienklinik und die Paracelsus-Klinik. Sonderregelungen kann es im Einzelfall immer geben.

Die Detailregelung für die MHH - vor allem was die Online-Anmeldung betrifft - erfahren Sie hier zeitnah auf mhh.de!

Die Eckpunkte sind:

  • Pro Tag kann maximal ein Besucher oder eine Besucherin pro Patient oder Patientin in die Krankenhäuser kommen. Hier wird empfohlen, im Umfeld der Patientinnen und Patienten entsprechende Vorabsprachen zu treffen.
  • Die Besuchsdauer beträgt je nach Einrichtung 30-60 Minuten. Jedes Haus hat individuelle Besuchszeiten, die aber alle am Nachmittag und im frühen Abendbereich liegen.
  • An den Eingängen sind Registrierungsformulare (ggf. digitale online Registrierungen) auszufüllen, die von den Krankenhäusern nach vier Wochen datenschutzkonform vernichtet werden.
  • Bei Mehrbettzimmerbelegung darf nur ein Besucher gleichzeitig im Raum sein.
  • Generell dürfen keine Besuche auf Stationen für Patientinnen und Patienten mit einer COVID-19 Infektion oder einem COVID-19 Verdacht erfolgen, hierzu zählen auch die Notaufnahmen. Darüber hinaus kann es weitere Sonderregelungen in den jeweiligen Häusern geben.
  • Bistros und Cafés bleiben für Besucher gesperrt. Darüber hinaus kann es weitere Sonderregelungen in den jeweiligen Häusern geben.
  • Während ihres 30-60-minütigen Aufenthaltes müssen die Besucher sich an die Hygieneregeln halten. Entsprechende Informationen erhalten sie beim Betreten. Zu diesen Regeln gehört unter anderem:
    • Das Einhalten des Mindestabstands von 1,50 m beachten (besser 2m)
    • Das Tragen einer geeigneten Mund-Nasen-Bedeckung (MNB) / eines Mund-Nasen-Schutzes (MNS) für Besucherinnen und Besucher sowie gleichzeitig das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (MNS) für Patienten; Besucher müssen/ können eine eigene Mund-Nasen-Bedeckung (MNB) mitbringen. Dabei werden Einmalprodukte empfohlen. Darüber hinaus kann es weitere Sonderregelungen in den jeweiligen Häusern geben.
    • Pro Patientenzimmer ist nur ein Besucher gestattet.
    • Die Händedesinfektion wird beim Betreten des Krankenhauses, spätestens aber vor Kontakt mit dem Patienten durchgeführt
    • Die Nies- und Hustenetikette ist zu beachten (Ellenbeuge).
    • Während des Besuchs ist der Verzehr von Speisen und Getränken untersagt.

Außerdem müssen sich die Besucherinnen und Besucher strikt an die Anweisungen des Klinikpersonals halten.

Es wird allen Interessierten an einem Krankenhausbesuch nachdrücklich geraten, sich vorher auf den Internetseiten des jeweiligen Hauses ausführlich über die dort geltenden Bestimmungen zu informieren.

 

COH-FIT Studie: Die größte weltweite Studie zur Untersuchung psychischer Gesundheit

Stand: 02. Juni 2020

An der COH-FIT Studie sind weltweit über 200 Wissenschaftler in über 113 Ländern beteiligt.
Ziel ist es die psychischen und auch körperlichen Beeinträchtigungen von Menschen durch die Corona Pandemie zu erforschen.
Professor Dr. Kahl, Oberarzt in der Psychiatrie koordiniert die Studie in Hannover und legt das Augenmerk auf Risikopatienten. Vor allem Patienten mit Traumatisierungsfolgestörungen und Herzerkrankungen stehen im Fokus der Untersuchung in Hannover.

Teilnehmen kann man unter: https://www.coh-fit.com/

COH-FIT Studie

Copyright: Webredaktion
Weltweite COH-FIT Studie

An der COH-FIT Studie sind weltweit über 200 Wissenschaftler in über 113 Ländern beteiligt.

Wie das Coronavirus die Lunge schädigt

Stand: 22. Mai 2020

Eine Infektion mit dem Coronavirus kann ebenso wie eine schwere Grippe die Atemwege massiv schädigen und zu einem tödlichen Lungenversagen führen. Welche molekularen Veränderungen SARS-CoV-2 im Lungengewebe von Patientinnen und Patienten genau auslöst und wie sich diese von den Schäden durch das Influenzavirus unterscheiden, ist bislang jedoch kaum bekannt. Um die Krankheitsprozesse besser zu verstehen, hat jetzt ein internationales Forschungsteam aus Deutschland, den USA, Belgien und der Schweiz unter der Leitung von Professor Dr. Danny Jonigk, Lungenspezialist am Institut für Pathologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Lungen von an COVID-19 Verstorbenen untersucht und mit denen von an Grippe (Influenza) Verstorbenen verglichen. „Die Studie verbessert unser Verständnis, warum die Lungenfunktion bei SARS-CoV-2-Infizierten mit schweren Krankheitsverläufen so stark beeinträchtigt ist“, betont Professor Jonigk,der zum Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) gehört. Die Ergebnisse der Untersuchung mit dem Titel „Pulmonary Vascular Endothelialitis, Thrombosis and Angiogenesis in COVID-19“ hat jetzt die renommierten Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.

Mikrothromben verstopfen die feinsten Gefäße

„Wir haben die Gewebeproben erstmals synergistisch mit einem sehr breiten Methodenspektrum von Mikro-Computertomografie, 3D-Elektronenmikroskopen und verschiedenen molekularbiologischen Methoden untersucht, um die Wege von SARS-CoV-2 aufzuspüren“, sagt Professor Jonigk. Dabei konnten die Wissenschaftler zunächst das bereits bekannte akute Schadensmuster in der Lunge von COVID-19-Patienten nachweisen, den sogenannten diffusen Alveolarschaden. Dieser liegt vor, wenn sich die Wände der Lungenbläschen entzünden, flächenhaft von Eiweißablagerungen bedeckt werden und so die Sauerstoffzufuhr in das Blut erschweren. „Wir haben außerdem eine massive Anzahl von Blutgerinnseln in allen Abschnitten der Blutgefäße in der Lunge gefunden, vor allem aber in den feinsten Gefäßen, den Kapillaren“, sagt der Pathologe. „Diese Mikrothromben verstopfen die feinen Lungengefäße und vergrößern so zusätzlich die Atemnot des Patienten.“ Das Phänomen gebe es zwar auch in schwer geschädigten Lungen nach Influenza-Infektionen, aber die Anzahl dieser kleinen Verstopfungen sei bei Grippetoten wesentlich geringer.

Besonders auffällig ist zudem ein Befund, den Mediziner ansonsten vorrangig nur von Tumorerkrankungen, Autoimmunkrankheiten oder Vernarbungsprozessen kennen: SARS-CoV-2 löst offenbar eine besondere Form von Gefäßneubildungen in der Lunge aus. „Diese sogenannte intussuszeptive Neoangiogenese ist bisher im Rahmen des diffusen Alveolarschadens noch nicht beschrieben worden und unterscheidet COVID-19 grundlegend von vergleichbar schweren Lungeninfektionen durch Influenzaviren“, betont Professor Jonigk und fasst zusammen:

„Die drei in unserer Studie erstmals umfassend beschriebenen Veränderungen innerhalb der Lunge bei SARS-CoV-2-Infektionen sind die massive Blutgefäßschädigung, die überschießende Blutgerinnung mit Verstopfung der feinsten Lungengefäße und die für COVID-19 charakteristische Gefäßneubildung.“

Die Ergebnisse der Studie bewertet der Pathologe als weiteres Puzzleteil zu einer Entschlüsselung von COVID-19. Gelöst sei das Rätsel um das Coronavirus aber noch lange nicht. Weitere Studien seien erforderlich, um die Mechanismen der Gefäßveränderungen zu verstehen und letztlich in therapeutische Ansätze umzumünzen.

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Corona und die Lunge

Ein weiteres Puzzleteil zu einer Entschlüsselung von COVID-19: MHH-Pathologe Prof. Danny Jonigk erläutert die neuen Erkenntnisse für Schäden an der Lunge.

Corona-Updates: Unsere Experten im Video

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Besuchsverbot wird nach Pfingsten gelockert

Copyright: Karin Kaiser/MHH

Stand: 20. Mai 2020

Alle Kliniken in der Region Hannover begrüßen die Lockerungen bei den Besuchsregelungen für Krankenhäuser, die das Land in seiner Verordnung am 19. Mai veröffentlicht hat. Das gilt für die Medizinische Hochschule Hannover (MHH), alle Standorte des KRH Klinikums Region Hannover (KRH), die Häuser von Diakovere, das Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult, das Vinzenzkrankenhaus, das Clementinenhaus, die Sophienklinik und die Paracelsus-Klinik. Die vergangenen Wochen, in denen Besuche nicht gestattet waren, haben sehr deutlich gezeigt, wie wichtig der Zuspruch von Angehörigen für stationäre Patientinnen und Patienten ist.

Nur eine Person gleichzeitig pro Patient

Nichtsdestotrotz genießt der Patienten- und Hygieneschutz in den Häusern allerhöchste Priorität. Dies bedeutet, dass die Kliniken mit Hochdruck an der unverzüglichen Umsetzung der neuen Vorgaben des Landes Niedersachsen arbeiten. Dazu gehören umfangreiche Maßnahmen zum Hygieneschutz, zur Dokumentation und zur Steuerung des Patientenbesuches. So sieht die Landesregelung beispielsweise vor, dass nur eine Person gleichzeitig eine Patientin oder einen Patienten besuchen darf und dass alle Besucherinnen und Besucher registriert werden müssen.

Umsetzung braucht noch Vorlaufzeit

Bis zur Umsetzung dieser Maßnahmen können aus Patientenschutzgründen keine Besuche, bis auf die bereits etablierten Ausnahmen, zugelassen werden. Die seit März 2020 geltenden Ausnahmen für werdende Väter, für Eltern, Sorgeberechtigte und enge Angehörige von Palliativpatienten, gelten natürlich auch in dieser Übergangszeit. Dies gilt auch für die Regelungen für Begleitpersonen in den Kinder- und Jugendkliniken. Die Krankenhäuser in der Region Hannover werden die aktuellen Regelungen zum Patientenbesuch voraussichtlich ab dem 2. Juni umsetzen.


COVID-19-Rätsel: Biobank sammelt Proben für Forschung

die Professoren Illig (links) und Cornberg (rechts) in der Biobank. Copyright: Karin Kaiser/MHH

Stand: 20. Mai 2020

Um eine Erkrankung effektiv bekämpfen zu können, muss man sie genau kennen. Das gilt auch für die Behandlung von COVID-19. Bislang können Mediziner nicht erklären, warum manche Patienten einen schweren Krankheitsverlauf haben, andere dagegen keine Symptome zeigen und welche Rolle das Immunsystem dabei spielt. Dafür baut die Medizinische Hochschule Hannover in Kooperation mit dem Klinikum Region Hannover (KRH) im Laufe der nächsten zwei Jahre eine COVID-19-Kohorte auf. Bioproben und Daten von 1000 unterschiedlich stark am Coronavirus SARS-CoV-2 erkrankten Patientinnen und Patienten sowie Kontrollproben von Menschen mit anderen Atemwegserkrankungen aus verschiedenen MHH-Kliniken und KRH sollen in der Hannover Unified Biobank (HUB) gesammelt und verglichen werden. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) unterstützt das Vorhaben mit mehr als zwei Millionen Euro.

Hohe Sicherheitsauflagen für die Bioproben

„Wir haben bereits mit dem Sammeln von Blutzellen, Plasma, Speichel, Urin, und Zellen aus dem Atmungstrakt begonnen und auch schon zahlreiche Anfragen für molekulare Analysen von den Forscherinnen und Forschern der MHH und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) erhalten“, sagt Professor Dr. Thomas Illig, Leiter der HUB, wo die COVID-19-Biobank untergebracht ist. „Die HUB erfüllt die hohen Sicherheitsauflagen, um die Bioproben zu verarbeiten und einzulagern“, betont er. Auch für die Aufarbeitung der lebenden Blutzellen gelten solche Auflagen. Darum kümmert sich das Team um Professor Dr. Markus Cornberg, leitender Oberarzt an der MHH-Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie und Klinischer Direktor am HZI. Der Infektiologe ist zudem Direktor des Zentrums für Individualisierte Infektionsmedizin (Centre for Individualised Infection Medicine CiiM), einer gemeinschaftlichen Einrichtung von MHH und HZI. „Das CiiM ist die Brücke von Klinik und Forschung und soll langfristig auch eine Art Filiale der COVID-19-Biobank beherbergen“, sagt der Mediziner.

Mix aus mehreren Faktoren beeinflusst Krankheitsverlauf?

Die Analysen der Bioproben sowie genaue Angaben zu den einzelnen Patient_innen wie Alter, Geschlecht, Krankheitsverlauf, Laborwerte, Medikamenteneinnahme oder Nikotinkonsum sollen helfen, das Rätsel um COVID-19 zu lösen. Die Daten soll Aufschluss darüber geben, welche Rolle die Gene, das Immunsystem, aber auch Vorerkrankungen wie etwa Diabetes, Asthma, Nierenschäden oder Bluthochdruck für den Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion spielen, welche Langzeitschäden das Virus an Lunge und anderen Organen verursachen kann und wie sich die Behandlung von COVID-19-Patient_innen verbessern lässt. „Wir vermuten, dass eine Mischung aus dem überreagierenden Immunsystem, den individuellen Erbanlagen und den Stoffwechselvorgängen verantwortlich für die sehr unterschiedlichen Schweregrade ist“, erklärt Professor Cornberg.


Besonders fitte Antikörper sollen gegen SARS-CoV-2 helfen

Die Forschung rund um SARS-CoV-2 erfordert hohe Sicherheitsmaßnahmen. Copyright: Karin Kaiser/MHH

Stand: 18. Mai 2020

Menschen, die eine Infektion mit SARS-CoV-2 erfolgreich überstanden haben, haben verschiedene schützende Antikörper im Blut. Manche dieser Stoffe sind besonders effektiv. Diese hochpotenten Antikörper aufzuspüren, gentechnisch im Labor selbst zu produzieren und dann zum Schutz vor der Infektion und zur Therapie der Erkrankung einsetzbar zu machen – das ist das Ziel von Forscherinnen und Forschern des Exzellenzclusters RESIST, das von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) geleitet wird. Dieses Vorhaben unterstützt das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur mit rund 1,2 Millionen Euro.

„Wir suchen nach Antikörpern, die verhindern, dass sich die Viren an die menschlichen Zellen binden – die also neutralisierend wirken – und die auch gegebenenfalls auftretende Varianten des Virus erkennen können“, sagt Professor Dr. Thomas Schulz, Leiter des MHH-Instituts für Virologie und RESIST-Sprecher. Solche breit neutralisierenden Antikörper werden beispielsweise schon bei HIV erfolgreich eingesetzt, um die Vermehrung des HI-Virus im Körper zu unterdrücken.

Freiwillige mit besonders vielen Antikörpern rekrutiert

Zunächst spürt das Team diese hochpotenten Antikörper in Blutproben von genesenen Patientinnen und Patienten auf. „Wir benötigen insbesondere Proben von Menschen, die nach überstandener COVID-Erkrankung besonders viele schützende Antikörper hervorgebracht haben. Das ist bei zehn bis 15 Prozent der Erkrankten der Fall“, sagt Professor Schulz. Solche Patientinnen und Patienten werden von Professor Dr. Rainer Blasczyk, Leiter des MHH-Instituts für Transfusionsmedizin und Transplantat Engineering, und Professor Dr. Axel Haverich, Leiter der MHH-Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie, rekrutiert – unter Freiwilligen, welche nach überstandener Erkrankung ihr Plasma und ihre T-Lymphozyten zur Behandlung von COVID-Erkrankten zur Verfügung stellen. „Der Aufbau des COVID-19-Genesenen-Registers ist ein wichtiger Baustein in der Pandemiebekämpfung, sowohl für die Identifizierung wirksamer Antikörper als auch wirksamer Immunzellen. Wir beobachten hier eine unglaubliche Vielfalt der Immunantwort“, sagt Professor Blasczyk. Die Plasmen und T-Zellen stehen zur Therapie schon zur Verfügung.

Therapeutikum fürs nächste Jahr geplant

Aus deren Proben werden die B-Lymphozyten isoliert, also die Antikörper-produzierenden Zellen. Dann beginnt die Suche nach besonders effektiven Antikörpern, die anschließend gentechnisch im Labor geklont werden sollen – aufbauend auf der Expertise des RESIST-Forschers Professor Dr. Thomas Krey von der Universität Lübeck. Diese Antikörper werden im Tiermodell getestet – vom Team um Professor Dr. Albert Osterhaus, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo). „Ein Therapeutikum aus gentechnisch hergestellten Antikörpern kann dann frühestens im nächsten Jahr zur Verfügung stehen“, sagt Professor Schulz.

Blutproben von in der MHH behandelten Patientinnen und Patienten bekommt das Forschungsteam auch von Professor Dr. Markus Cornberg, leitender Oberarzt der MHH-Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, und Professor Dr. Marius Hoeper, kommissarischer Leiter und Oberarzt der MHH-Klinik für Pneumologie.


Mit umgebautem Pocken-Impfstoff gegen das Coronavirus

Professor Dr. Reinhold Förster, Institut für Immunologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Copyright: Nico Herzog

Stand: 15. Mai 2020

Auf der Suche nach einem geeigneten Impfstoff gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 setzt die Wissenschaft mitunter auf alte Bekannte. In Kooperation mit der Ludwig-Maximilans-Universität (LMU) München testet das Institut für Immunologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) unter der Leitung von Professor Dr. Reinhold Förster einen vielversprechenden Impfstoff auf Basis eines Pockenvirus. Das Modifizierte Vakzinia Virus Ankara (MVA) wird schon seit Anfang der 1990er Jahre als Fähre genutzt, um Genmaterial in Körperzellen einzuschleusen und eine Immunreaktion auszulösen. Im aktuellen Fall wollen die Wissenschaftler in den Pockenimpfstoff zusätzlich die Bauanleitung für das sogenannte Spike- oder S-Protein einfügen, das sich auf der Oberfläche von SARS-CoV-2 befindet und die Infektion von Zellen ermöglicht. Das Virusstückchen soll nach erfolgter Impfung die körpereigene Immunabwehr anregen, schützende Antikörper gegen das Coronavirus zu bilden. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kunst (MWK) unterstützt dieses Projekt mit 1,7 Millionen Euro.

„Ein gentechnisch modifiziertes MVA wurde von meinem Münchner Kollegen Professor Dr. Gerd Suttner bereits gegen das verwandte MERS-Virus entwickelt und erfolgreich an Dromedaren getestet“, erklärt Professor Förster. „Die Tiere waren nach erfolgter Impfung gegen das MERS-Virus immun.“ Dass die Impfung auch beim Menschen wirkt, ist in einer weiteren Untersuchung gerade erst bestätigt worden. Jetzt soll der Pockenimpfstoff gegen SARS-CoV-2 eingesetzt und zunächst an Mäusen getestet werden.

Impfstoff wird über Atemwege verabreicht

Auch die LMU will den neuen Impfvektor testen und Mäuse mit dem genetisch modifizierten MVA impfen. Doch anders als in München probieren die MHH-Wissenschaftler einen neuen Ansatz aus. Sie verabreichen den Impfstoff über die Atemwege. „Das Impfen durch Inhalation hat aus unserer Sicht den Vorteil, dass dadurch eine besonders starke Immunantwort genau dort ausgelöst wird, wo das Virus besonders heftig zuschlägt – nämlich in der Lunge“, sagt der Immunologe.

Ist die Impfung im Tierversuch erfolgreich, soll MVA-SARS-CoV-2-S auch an Menschen getestet werden. Dafür will das Institut für Immunologie zusammen mit klinischen Partnern eine Studie mit 30 Teilnehmenden durchführen. Doch die Wissenschaftler_innen wollen nicht nur untersuchen, ob die Impfung tatsächlich Antikörper gegen das Virus hervorbringt. Professor Förster möchte zudem einen neuen Test zum Nachweis von SARS-CoV-2 entwickeln. Mit diesem neuen Test sollen nicht nur Antikörper gegen das Virus nachgewiesen werden, sondern auch die Frage beantworten werden, wie gut diese vor erneuter Infektion schützen. „Das ist wichtig, um all die Menschen zu identifizieren, die eine Infektion ohne Krankheitssymptome durchgemacht haben und nun immun sind, ohne es zu wissen.“

Professor Förster ist Co-Sprecher des Exzellenzclusters RESIST, der von der MHH geleitet wird. In dieser Forschungsgruppe untersuchen 40 Teams, warum Menschen ganz unterschiedlich anfällig für Infektionen sind. Das Ziel ist es, besonders anfällige Menschen besser vor Infektionen schützen zu können. Partner sind MHH, HZI, Twincore, TiHo, CSSB und CCi. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.RESIST-cluster.de.


Coronavirus erkennen: So helfen Röntgen und CT

Stand: 15. Mai 2020

Die Diagnoseverfahren für COVID-19 können an Grenzen stoßen. Dann kommen Röntgen und Computertomographie ins Spiel. Wenn ein Fall nicht eindeutig ist, d.h. wenn der SARS-CoV-2-Test mittels PCR zwar negativ ist, aber das Beschwerdebild des Patienten oder der Patientin auf etwas anderes hinweist, dann können die zwei- bzw. dreidimensionalen Bilder unterstützen. "Wir machen die Bildgebung vor allem bei schweren Fällen und zur Beurteilung des Krankheitsverlaufs", erläutert Prof. Dr. Vogel-Claussen, Leitender Oberarzt in der Diagnostischen und Interventionellen Radiologie der MHH. Außerdem würden Röntgen und CT eingesetzt, um Komplikationen bei schwer kranken Patient_innen rechtzeitig zu erkennen. Allerdings können Röntgen- wie CT-Bilder nicht allein für eine Diagnose herangezogen werden, denn auf den Bildern kann das Coronavirus nicht spezifisch genau erkannt werden. Die Radiologen können nur bestimmte Zeichen, also Hinweise, im Bild sehen, die typisch für Corona sind. Wie diese Zeichen aussehen, erfahren Sie hier unten im Video aus der MHH-Radiologie ...

Video

Corona mit CT und Röntgen erkennbar machen

Wieso die Bildgebung bei der Diagnose und Behandlung so wichtig ist und worauf es zu achten gilt, erläutern Prof. Dr. Vogel-Claussen und Herr Löpert im Interview.

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Kinder und Corona: Was wir aktuell wissen

Stand: 11. Mai 2020

Welche Rolle Kinder in der Corona-Epidemie spielen, wird zurzeit viel diskutiert. Dr. Nicolaus Schwerk, Facharzt für pädiatrische Pneumologie und Allergologie an der MHH zum aktuellen Wissensstand.

Werden Kinder weniger häufig infiziert als ältere Menschen? Wie ansteckend sind sie? Wie groß ist die Gefahr, dass sie schwer erkranken? Fest steht: Aktuell kann es noch keine exakten Aussagen dazu geben, nur Einschätzungen. „Uns fehlen die Daten“, sagt Dr. Nicolaus Schwerk. „Wir brauchen systematische Untersuchungen von großen Kinder-Zahlen mit und ohne Symptome und über einen längeren Zeitraum.“

Weniger schwere Krankheitsverläufe

Die Gefahr sich anzustecken, ist für Kinder nach derzeitiger Einschätzung von Dr. Schwerk ähnlich groß wir für Erwachsene. Es gäbe aber Anzeichen dafür, dass das Risiko für Kinder – wenn sie sich angesteckt haben – schwer zu erkranken, deutlich niedriger ist als bei erwachsenen Menschen.

Kinder sind keine „Virenschleudern“

Der in Medien kreisende Begriff „Virenschleuder“ kann nach aktuellem Wissensstand nicht für Kinder gelten. Von ihnen scheint dieselbe Ansteckungsgefahr auszugehen wie von Erwachsenen. Dr. Schwerk verweist auf die jüngst veröffentlichte Studie von Prof. Dr. Christian Drosten von der Charité Berlin. Hier gibt es Hinweise, dass die Viruslast – also die Menge an Viren, die Infizierte produzieren – bei Kindern genauso hoch ist wie bei Erwachsenen. Den Aussagewert dieser Studie schränkt Prof. Drosten allerdings selbst ein. Denn die entscheidenden Studien –  die Schul- und Haushaltskontaktstudien – könnten derzeit nicht gemacht werden, weil es diese Situationen – Schule und Haushalt – aktuell nicht gebe bzw. sie verfälscht seien. Mehr dazu gibt es hier im Interview mit dem NDR.

Todesrate sehr gering

Es werden mittlerweile auch Todesfälle unter Kindern aus dem Ausland gemeldet. Allerdings betont Dr. Schwerk, dass aus den bisherigen Veröffentlichungen nicht klar hervorgeht, ob diese Kinder wegen dieser Infizierung mit SARS-CoV-2 gestorben sind oder an einer anderen Ursache und sie zusätzlich das Virus in sich hatten.  Der Experte kann etwas beruhigen: Die Zahl der bekannten Todesfälle unter Kindern ist im Verhältnis zu der veröffentlichten  Zahl der infizierten Kinder verschwindend gering.


Corona-Update: Wie gefährdet sind Kinder?

MHH-Experte Dr. Schwerk zu den aktuellen Fragen.

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Die Ultima Ratio – Diese Maschine ersetzt die Lunge für COVID-Patienten

Stand: 07. Mai 2020

ECMO – vier Buchstaben, die für einen komplizierten Namen stehen: Extrakorporale Membranoxygenierung. Die ECMO übernimmt teilweise oder vollständig die Kreislauf- und Atemfunktion von Patienten, deren Lungen und/oder Herzen sehr schwer geschädigt sind. An der MHH kommt sie in der Corona-Krise zum Einsatz, wenn die normalen Beatmungsformen für COVID-19-Patienten nicht ausreichen.

Extrakorporal bedeutet außerhalb des Körpers. Mit der ECMO wird Blut aus dem Körper des Patienten herausgezogen, in den sogenannten Oxygenator geleitet, der das Blut mit Sauerstoff anreichert und parallel CO2 entzieht, dann fließt das Blut wieder zurück in den Patienten. Der Oxygenator funktioniert dabei wie ein Filter.

Pro Minute kann einem erwachsenen normalgewichtigen Patienten mit diesem Gerät fast das gesamte im Körper zirkulierende Blut einmal entzogen und durch diesen Filter geleitet werden.

MHH-Pfleger Timm Doran erläutert dieses wichtige Gerät für die Corona-Behandlung hier auch im Video.

Video

So funktioniert die ECMO

MHH-Pfleger Timm Doran erklärt Funktion und Bedeutung des Lungen-Ersatz-Geräts.

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Angst, Stress, Gewalt: Erste Ergebnisse von COVID-19-Umfrage

Copyright: MHH/Shutterstock

Stand: 30. April 2020

Seit dem Auftreten der Corona-Pandemie in China gab es bereits erste Hinweise zu den psychosozialen Auswirkungen der Pandemie. Das können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Zentrums für Seelische Gesundheit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) jetzt mit einer ersten Auswertung einer am 1. April gestarteten Umfrage belegen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen Belege für eine deutliche mentale Belastung mit einem Anstieg von Stress, Angst, depressiven Symptomen, Schlafproblemen, Reizbarkeit und Aggression. Sorge bereitet insbesondere, dass 5 Prozent der Teilnehmenden angaben, häusliche Gewalt in den vergangenen vier Wochen erfahren zu haben. Diese kann verbaler, körperlicher oder sexueller Natur sein. Zudem gaben die Teilnehmenden mehrheitlich an, dass die Gewalt zuletzt zugenommen habe.

Die Erstauswertung bezieht sich auf den Zeitraum vom 1. bis zum 15. April 2020 und umfasst damit den Rahmen der schärfsten Lockdown-Maßnahmen in Deutschland. 3.545 Freiwillige nahmen an der Studie teil, das mittlere Alter lag bei 40 Jahren. Von den Befragten sind 83 Prozent Frauen und 15,2 Prozent Männer. Diese Umfrage ist eine der ersten und größten Umfragen zu seelischer Gesundheit in Deutschland. Die aktuelle Erhebung beinhaltet eine webbasierte systematische Erfassung des psychischen Befindens, des Stresserlebens, der Bewältigungsmechanismen und des Erlebens von unterschiedlichen Formen von Gewalt mithilfe von Selbstbeurteilungsskalen.

HIlfsangebote sollten ausgebaut werden

Die Autorinnen und Autoren der Studie appellieren, dass die seelische Gesundheit der Bevölkerung während der akuten Pandemie und auch im Nachgang fortlaufend im Blick zu behalten ist und Hilfsangebote kontinuierlich vorzuhalten oder auszubauen sind. Besonders sorgfältig sollten dabei das Erleben von häuslicher Gewalt sowie deren Risikofaktoren wie Stress, Schlafprobleme und Reizbarkeit erhoben werden. „All diese Themen sind uns nicht unbekannt. Aber die Restriktionen während der Coronavirus-Pandemie und die damit assoziierte räumliche Enge in Familien können zu einem erheblichen Aufflammen dieser Probleme führen“, erklärt Professor  Dr. Tillmann Krüger, Leiter der Studie.

Es werden zudem Langzeiteffekte durch die Corona-Pandemie auf die seelische Gesundheit erwartet. Deshalb erfolgt nun die zweite Welle der Erhebung, zu der alle Interessierten unter folgendem Link eingeladen sind: https://ww2.unipark.de/uc/MHH_Umfrage_COVID-19/

Hintergrundinformationen

Psychische Belastung, Angst und Depression

Die Mehrheit der Teilnehmenden – 60 Prozent – gab an, sehr gut oder gut mit der veränderten Situation und den entsprechenden Maßnahmen klarzukommen. 26,9 Prozent der Befragten hingegen erklärten, schlecht oder sehr schlecht mit der Situation umgehen zu können. Die befragen Frauen wiesen dabei signifikant höhere Depressions- und Angstwerte auf.

Schlafqualität, Reizbarkeit und häusliche Gewalt

45,3 Prozent der Befragten gaben an, im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie schlechter zu schlafen. Bemerkenswert ist, dass 50,9 Prozent aller Teilnehmenden ausführten, reizbarer zu sein und sich 29 Prozent als wütender und aggressiver erlebten. Diejenigen, die sich als wütender und aggressiver erlebten, richteten ihre Wut und Aggression zu 65,5 Prozent gegen andere, während 32,6 Prozent dies gegen sich selbst richteten. Besondere Aufmerksamkeit verdient der Befund, dass 5 Prozent aller Teilnehmenden angaben, häusliche Gewalt auf verbaler (98, 4 Prozent), körperlicher (41, 9 Prozent) oder sexueller (30, 2 Prozent) Ebene zu erleben.

Für weitere Anfragen wenden Sie sich an Professor Dr. Tillmann Krüger, MHH-Zentrum für Seelische Gesundheit, unter (0511) 532-3171 oder krueger.tillmann@mh-hannover.de


Spahn an der MHH: „Hier arbeiten exzellente Wissenschaftler“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (3.v. re.) mit Ministerpräsident Stephan Weil (re., SPD), Sozialministerin Carola Reimann (2. v. re., SPD) sowie MHH-Präsident Prof. Dr. Michael Manns (2. v. li.) und Vizepräsident Prof. Dr. Tobias Welte (li.). Copyright: Karin Kaiser/MHH

Stand: 28. April 2020

Ein wichtiger Besuch aus besonderem Anlass und unter ebenso besonderen Bedingungen: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat am Dienstag die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) besucht. Bei seinem Rundgang durch das Clinical Research Center (CRC), informierte er sich über den aktuellen Stand der Forschung zu möglichen Impfstoffen und Medikamenten gegen das neuartige Coronavirus. Begleitet wurde Spahn von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) und Sozialministerin Carola Reimann (SPD) sowie von MHH-Präsident Professor Dr. Michael Manns und den beiden MHH-Vizepräsidenten, Professor Dr. Tobias Welte und Andrea Aulkemeyer - natürlich unter Wahrung des Sicherheitsabstands und mit Schutzkleidung.

Gut vernetzte klinische Forschung

Im CRC suchen die Forscherinnen und Forscher der MHH nach einem geeigneten Impfstoff gegen die Erkrankung Covid-19. So untersuchen sie beispielsweise in einer Studie mit rund 1.000 Freiwilligen aus Klinik und Rettungsdienst, ob ein Tuberkulose-Impfstoff das Immunsystem im Kampf gegen das Coronavirus unterstützen kann. Während ihres Besuchs unterhielten sich die Politiker mit Ärzten und Pflegekräften sowie mit dem ersten Covid-19-Patienten der MHH, der mittlerweile genesen ist.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zeigte sich beeindruckt von Krankenversorgung und Forschung an der MHH. „Hier arbeiten exzellente Wissenschaftler, die national und international sehr gut vernetzt sind und dazu beitragen, jeden Tag neues Wissen generieren zu können.“  Es gebe Studien mit vielversprechenden Ansätzen, einen voraussichtlichen Zeitpunkt für gesicherte Erkenntnisse könne er allerdings noch nicht nennen. Viele Fragen rund um das Virus seien schon beantwortet, es gebe aber mindestens noch genauso viele offene Fragen. „Wir werden mit diesem Virus leben lernen müssen, bis ein Impfstoff, eine Therapie oder Medikament gefunden ist.“ Für die Abläufe in den deutschen Kliniken kündigte der Bundesgesundheitsminister eine schrittweise Rückkehr in einen neuen Alltag an, in dem neben der Therapie von Covid-19-Patientinnen und -Patienten auch die Behandlung anderer Patientinnen und Patienten wieder stärker in den Fokus rücken wird.

Ermutigende Perspektiven

Auch Ministerpräsident Stephan Weil betonte, dass die Pandemie die Bevölkerung noch längere Zeit beschäftigen werde. „Da ist es gut, dass die Forschung so ermutigende Perspektiven bietet“, stellte er fest. Außerdem lobte er das große Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf den Stationen. MHH-Präsident Professor Dr. Michael Manns bedankte sich bei Spahn und Weil für den Besuch und das große Interesse an der Hochschule.

Autorin: Tina Götting/MHH


COVID-Medikamente gesucht: Forscher hoffen auf bekannte Wirkstoffe

Professor Dr. Thomas Pietschmann. Copyright: Fotostudio Michael Pietschmann

Stand: 24. April 2020

MHH-Professor Pietschmann, Forscher des Exzellenzclusters RESIST und des TWINCORE, leitet in Deutschland stattfindende Forschungsarbeiten eines internationalen Konsortiums.

Innovationen auf Basis bewährter Wirkstoffe, neue Indikationen für etablierte Mittel – das Prinzip des Repurposing hat in der Medizin schon oft zum Erfolg geführt. Deshalb wird es auch gegen SARS-CoV-2 eingesetzt: Um rasch ein Medikament zur Behandlung von COVID-19 zu finden, sucht ein internationales Forschungsnetzwerk in der weltweit größten Substanz-Repurposing-Bank „ReFrame“ nach Stoffen, die gegen SARS-CoV-2 wirken. Die Sammlung umfasst rund 14.000 zugelassene Medikamente sowie Wirkstoffe, für die es bereits umfangreiche Sicherheitsdaten in Bezug auf die Anwendung beim Menschen gibt. An der Suche sind mehrere Labors in den USA, vier in Großbritannien und je eins in China und Deutschland beteiligt. „ReFrame“ wurde von Scripps Research, Kalifornien, im Jahr 2018 mit Unterstützung der Bill & Melinda Gates Foundation aufgebaut.

„Ich bin zuversichtlich, dass wir innerhalb von wenigen Wochen Substanzen finden werden, welche die Vermehrung des Virus hemmen können. Dabei bekommen wir ein umfassendes Bild von der Wirksamkeit der Substanzen gegen dieses Coronavirus, da sich die Untersuchungen in den verschiedenen Labors ergänzen“, beschreibt Professor Pietschmann, der die in Deutschland stattfindenden Forschungsarbeiten leitet. Professor Pietschmann ist Wissenschaftler des Exzellenzclusters RESIST, das von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) geleitet wird, und des TWINCORE-Zentrums für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung – einer gemeinsamen Einrichtung der MHH und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI).

Das Ziel: Ansatzpunkte für Medikamente zur Behandlung von COVID-19

Den Nachweis, ob die Vermehrung des Virus gehemmt wird, erarbeitet Professor Pietschmann gemeinsam mit Professor Dr. Thomas Schulz, Leiter des MHH-Instituts für Virologie und Sprecher des Exzellenzclusters RESIST. Ihre Teams nutzen dazu einen Roboter, der im Rahmen des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) betrieben wird, dessen Mitarbeiter Professor Schulz und Professor Pietschmann auch sind. Das notwendige speziell markierte Coronavirus hat Professor Dr. Volker Thiel vom Institut für Virologie und Immunologie der Universität Bern hergestellt.

„Wenn wir Substanzen gefunden haben, die die Virusvermehrung hemmen können, untersuchen wir sie näher: Wir schauen dann, wie sie in der menschlichen Lungenzelle wirken, warum sie die Vermehrung hemmen und welche Dosis dafür nötig ist“, erläutert Professor Pietschmann. Chemisch-biologische Eigenschaften ausgewählter Wirkstoffe werden in Kooperation mit Professor Dr. Mark Brönstrup, HZI und DZIF, geprüft. Diese Zusammenarbeit wird durch einen Sonderfond des Landes Niedersachsen gefördert, der kurzfristig zur Bekämpfung der Coronavirus-Krise bewilligt wurde.

Zulassung und Behandlung mit Medikamenten könnte beschleunigt werden

Aufbauend auf die Ergebnisse der Forschungsarbeiten von Professor Pietschmann und seinen Kolleginnen und Kollegen können dann klinische Studien durchgeführt werden. Wenn es sich um ein bereits zugelassenes Medikament handelt, könnte es sein, dass der Wirkstoff sehr zügig für eine Behandlung von COVID-19 entwickelt werden kann. Ist die Substanz noch nicht zugelassen, kann man an bereits vorhandene Daten anknüpfen, sodass eine Zulassung schneller erreicht werden, kann als dies sonst möglich wäre. Wie lange das dauert hängt davon ab, wie weit sie bis dahin schon in klinischen Untersuchungen getestet wurden. 

Ein Beispiel für das Repurposing-Prinzip ist der zeitliche Ablauf bei dem bisher noch nicht für die Behandlung einer Krankheit zugelassenen Wirkstoff Remdesivir, der auch in der Substanzsammlung ist: Als SARS-CoV-2 zu Beginn des Jahres auftauchte, gab es bereits Tests in Zellkulturen und an Versuchstieren und auch im Kontext der Ebolavirus-Krise am Menschen. Die Ergebnisse der Zulassungsstudie zur Anwendung gegen COVID-19 werden in den nächsten Wochen erwartet.

„Ich bin sehr hoffnungsvoll, dass sich aus unserer Orientierungsstudie, die wir öffentlich zugänglich machen, Ansatzpunkte für Medikamente zur Behandlung der Erkrankung COVID-19 ergeben werden“, sagt Professor Pietschmann.


Coronavirus: Staatsexamen mit Mundschutz

Die MHH-Organisatoren Professor Dr. Ingo Just und Britta Minx (li) zusammen mit Meike Meyer-Wrobel (Mitte), Geschäftsführerin des Niedersächsischen Zweckverbandes zur Approbationserteilung (NIZZA). Copyright: Lisa Weigelt/MHH-Webredaktion.

Stand: 20. April 2020

Unter besonderen hygienischen Schutzmaßnahmen haben 110 Studierende der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) vom 15. bis 17. April ihr zweites Staatsexamen abgelegt. Die Durchführung dieses zweiten Abschnittes der Ärztlichen Prüfung (M2) war angesichts der Ausbreitung des Corona-Virus zunächst fraglich. Das Bundesministerium für Gesundheit hatte Ende März mit einer Verordnung den Beginn des Praktischen Jahrs vorübergehend flexibel gestaltet und den Ländern die Entscheidung über eine Verschiebung der M2-Prüfungen überlassen. In Niedersachsen entschieden sich die zuständigen Ministerien nach Beratung mit der niedersächsischen Universitätsmedizin, das Staatsexamen durchzuführen. Dem Niedersächsischen Zweckverband zur Approbationserteilung und dem Studiendekanat der MHH standen daraufhin nur wenige Tage zur Verfügung, um die Prüfungsbedingungen den veränderten hygienischen Schutzvorschriften anzupassen, die Räume herzurichten, Schutzausrüstung zu besorgen und das nötige Aufsichtspersonal zu rekrutieren.

Lob von höchster Stelle für das MHH-Organisationsteam

„Nachdem die Ministerien die Entscheidung getroffen hatten, die Prüfung durchzuführen, waren wir auf die Mithilfe der drei niedersächsischen medizinischen Hochschulen angewiesen. Ich habe die Prüfungen an der MHH begleitet und möchte mich ganz herzlich für die gute Unterstützung bedanken. Es ist alles sehr gut gelaufen“, lobte Meike Meyer-Wrobel, Geschäftsführerin des Niedersächsischen Zweckverbandes zur Approbationserteilung (NiZzA) den Einsatz des Organisationsteams an der MHH.

Zu den Bedingungen gehörte, dass die Studentinnen und Studenten im Examen mindestens anderthalb Meter Abstand einhalten mussten. Um das zu ermöglichen, mussten 15 statt ansonsten nur vier Räume hergerichtet werden. Zur Aufsicht waren demzufolge täglich 40 Personen im Einsatz, davon 25 von der MHH und 15 vom Landesprüfungsamt Niedersachsen. Zudem bekamen alle Prüflinge einen Mundschutz und es musste ausreichend Desinfektionsmittel bereitgestellt werden. „Das alles hätte das Landesprüfungsamt ohne die Hilfe der MHH nicht bereitstellen können“, erklärte Meyer-Wrobel.

Dem Wunsch der Studierenden entsprochen

„Wir sind erleichtert und froh, dass wir das zweite Staatsexamen unter diesen besonderen Hygieneschutzmaßnahmen erfolgreich abgeschlossen haben. Alternativ hätten die Studierenden zunächst ins Praktische Jahr gehen müssen und ihre Prüfung erst in einem Jahr ablegen können, zeitnah zum dritten Staatsexamen M3, was zusammen auch als Hammerexamen bezeichnet wird“, erklärte MHH-Studiendekan Professor Dr. Ingo Just. Die MHH-Studierenden hatten sich zuvor mehrheitlich für die zeitnahe Durchführung des zweiten Staatsexamens ausgesprochen, um diese zeitliche Verzögerung zu vermeiden und nicht doppelt lernen zu müssen.

Auch die Studierenden zeigten sich erleichtert nach der Prüfung. Für das Studiendekanat der MHH organisierte Britta Minx den organisatorischen Ablauf. Auch sie war anschließend erleichtert und stolz, das zweite Staatsexamen unter diesen besonderen Bedingungen erfolgreich beendet zu haben. Sie dankte allen Beteiligten: „Das alles wäre nicht möglich gewesen ohne die großartige Unterstützung der Lehrenden der MHH, die sich in überwältigender Anzahl bereit erklärt haben, uns als Aufsichtspersonen zu unterstützen, aber auch das Veranstaltungsmanagement und viele andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MHH haben uns sehr geholfen, diese Prüfung in der Kürze der Zeit zu organisieren. Vielen Dank dafür!“


Angehörige können Patienten mit neuem Service versorgen

Copyright: Karin Kaiser/MHH

Stand: 20. April 2020

Um die Folgen des Besuchsverbots etwas abzumildern, hat die Medizinischen Hochschule einen speziellen Hol- und Bringservice eingerichtet - und zwar für die zwingend und nicht verschiebbare Sach-/Wäscheversorgung der stationären Patienten durch ihre Angehörigen.

Eine hierfür eingesetzte Kraft nimmt die gebrachten Sachen von den Angehörigen am Service-Point im Hauptklinikum (Haupteingang neben der Notaufnahme) entgegen und übergibt diese an die Pflegekraft der betroffenen Station der Patientin oder des Patienten. Der Hol- und Bringservice ist werktags von 13 Uhr bis 18 Uhr zu nutzen.

Die MHH bittet alle, zum Schutz der Betroffenen die vorgegeben Zeiten des angebotenen Services einzuhalten!

Weitere Infos für Patient_innen und Gäste zur Corona-Situation gibt es hier.

Infos zu Ihrem Aufenthalt - stationär oder ambulant - gibt es hier.


Antikörper und Impfstoff: So forscht man an der MHH in Sachen Corona

Professor Dr. Thomas Schulz. Copyright: privat/MHH

Stand: 17. April 2020

Professor Dr. Thomas Schulz, RESIST-Sprecher und Leiter des Instituts für Virologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), im Interview.

Herr Professor Schulz, woran forscht RESIST in Bezug auf SARS-CoV-2?

Ziel von RESIST ist es, die molekularen Grundlagen für eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Infektionen und die dabei beteiligten Erreger besser zu verstehen, um auf dieser Basis neue Ansätze, Ideen und Möglichkeiten aufzuzeigen und diese langfristig für eine verbesserte Behandlung von Patienten einzusetzen. Da RESIST ja Anfang 2019, also lange vor dem Beginn der SARS-CoV-2 Pandemie, startete, waren ursprünglich keine Arbeiten an diesem neuen Virus geplant. Wir können aber eine Reihe von in RESIST bearbeiteten Themen, Fragestellungen und Methoden für die durch das neue Coronavirus, SARS-CoV-2, verursachte Erkrankung (CoVID) nutzen. Wir arbeiten dazu an mehreren Themen parallel; diese haben kürzlich zusätzliche großzügige Unterstützung durch das Niedersächsiche Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) erhalten, wofür wir sehr dankbar sind.

Wir suchen nach schützenden Antikörpern und Impfstoffen:
Wir wollen Antikörper entwickeln, die verhindern, dass sich das Virus an die menschliche Zelle binden kann. Dabei denken wir an Antikörper, die schon in geringer Konzentration neutralisierend wirken und somit auch gegebenenfalls auftretende Varianten des Virus erkennen können. Breit neutralisierenden Antikörper werden beispielsweise schon bei HIV erfolgreich eingesetzt, um die Vermehrung des HIV im Körper zu unterdrücken.
Diese besonders guten Antikörper suchen wir im Blut von Patientinnen und Patienten, die die Erkrankung bereits überstanden haben, und werden sie dann gentechnisch im Labor produzieren. So könnten sie zum Schutz vor einer Infektion, aber auch zur Therapie der Infektion eingesetzt werden. Ein solches Therapeutikum kann frühestens im nächsten Jahr zur Verfügung stehen.
Bei diesen Arbeiten nutzen wir die Expertise des RESIST-Forschers Professor Dr. Thomas Krey von der Universität Lübeck. Er hat viel Erfahrungen auf dem Gebiet, Strukturen von viralen und zellulären Proteinen aufzuklären, die Schlüsselrollen in Infektionsprozessen spielen. Die Rekrutierung von Patienten, die die CoVID Erkrankung bereits überstanden haben erfolgt in diesem Projekt durch Professor Dr. Rainer Blasczyk, Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin der MHH, sowie durch Professor Dr. Axel Haverich, Leiter der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie.

Parallel dazu führen wir präklinische Versuche zu einem potentiellen Coronavirus-Impfstoff durch: Professor Dr. Reinhold Förster, Leiter des MHH-Instituts für Immunologie, testet im Mausversuch einen neuen Impfstoff-Kandidaten.

Wir suchen nach Stoffen, die die Virenvermehrung hemmen:
Dazu verfolgen wir zwei Strategien: Unter Leitung unseres RESIST Kollegen Professor Dr. Thomas Pietschmann vom TWINCORE – Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung screenen wir rund 13.000 Substanzen, die entweder bereits als Medikamente für andere Krankheiten zugelassen sind, oder für die es bereits erste klinische Erfahrungen gibt – die also beispielsweise erstmalig an gesunden Freiwilligen getestet werden. Wir erforschen, ob sie gegen die Virusvermehrung wirken und dann könnten daraus neue Medikamente entwickelt werden, die in ein bis zwei Jahren zur Verfügung stehen würden.
Bei der anderen Strategie wollen wir ganz neue Angriffspunkte für Hemmstoffe finden und fragen uns dabei, was alle sieben bekannten Coronaviren hemmen könnte – und auch das nächste Coronavirus. Dazu screenen wir insgesamt ca. 100.000 Substanzen. Auch auf diese Ergebnisse aufbauend können Medikamente entwickelt werden. Das dauert jedoch fünf bis zehn Jahre. Daran arbeiten Professor Pietschmann und ich gemeinsam mit weiteren Kollegen.

Wir erforschen, wie das Immunsystem auf das Virus reagiert:
Wir in RESIST ergründen auch, wie die Reaktion des angeborenen und des erworbenen Immunsystems auf das SARS-CoV-2 aussieht. Wie erkennen zum Beispiel die T-Zellen dieses Virus? Diesen Fragen gehen Professor Dr. Markus Cornberg, MHH-Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, Professorin Dr. Britta Eiz-Vesper, Institut für Transfusionsmedizin, und Professor Dr. Immo Prinz, MHH-Institut für Immunologie, mit weiteren Kolleginnen und Kollegen nach. Auch so sollen neue Ansätze für Therapien gefunden werden.

Und wir erforschen, ob es genetische Gründe für eine höhere Anfälligkeit gibt:
Um das herauszufinden, läuft eine klinische Studie, an der mehrere RESIST-Forscherteams beteiligt sind. Durch Vergleich von an CoVID erkrankten Menschen mit gesunden Probanden unserer RESIST Alterskohorte wollen wir herausfinden, warum manche Menschen schwer erkranken, auch wenn sie keine Vorerkrankungen haben. Auch diese Ergebnisse sollen uns Ansätze für neue Therapien liefern.


Geburten und Corona: Worauf sich Eltern einstellen müssen

Copyright: Karin Kaiser/MHH

Stand: 16. April 2020

In der MHH darf der Vater oder eine andere enge Bezugsperson weiterhin bei der Geburt dabei sein. „Sie dürfen ihre Partnerin zwar nicht während der gesamten Zeit im Kreißsaal begleiten, werden aber von den Hebammen dazu gerufen, sobald das Kind tatsächlich kommt“, erklärt Professor Dr. Constantin von Kaisenberg, Bereichsleiter Pränatalmedizin und Geburtshilfe der MHH-Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Anders sieht es bei einem Kaiserschnitt aus. In diesem Fall ist eine Begleitperson im OP nicht erlaubt, sie darf aber nach dem Eingriff im Aufwachraum dabei sein.

Wer darf Mutter und Babys besuchen?

Zum Schutz der Mütter und der Neugeborenen sowie des Klinikpersonals gibt es auch bei den Besuchen neue Regelungen: Eine Person, der Vater oder eine andere Bezugsperson, darf Mutter und Kind in der Zeit von 15 bis 18 Uhr besuchen, wenn sie einen Mundschutz trägt und keine grippalen Symptome hat. Weitere Besucherinnen und Besucher müssen der Mutter-Kind-Station leider fern bleiben.

Wie geht die MHH damit um, wenn eine mit dem Coronavirus infizierte Frau ein Kind bekommt?

Bisher gab es in der MHH-Geburtsklinik noch keine Gebärende, die mit dem Coronavirus infiziert war. „Deshalb ist das Ansteckungsrisiko auf der Geburtsstation zurzeit auch nicht höher als außerhalb der Klinik“, erläutert Professor von Kaisenberg. Das ärztliche und pflegerische Personal sowie die Hebammen sind angehalten, sich streng nach den hygienischen Vorgaben der Robert Koch-Instituts zu richten.

Sollte in der MHH eine an COVID-19 erkrankte Schwangere gebären, wäre das Geburtsteam auch darauf vorbereitet. Die werdende Mutter würde bei der Geburt einen Mund-Nasen-Schutz tragen und das Personal eine Schutzausrüstung bestehend aus Haube, Brille, Mund-Nasen-Maske, Handschuhen und Kittel. Eine Begleitperson wäre bei der Geburt nicht erlaubt. Das Neugeborene einer COVID-19-Patientin dürfte nach der Geburt in einem Isolierzimmer bei der Mutter bleiben und auch gestillt werden. „Sollten bei dem Kind aber Symptome einer COVID-19-Erkrankung oder andere schwerwiegende medizinische Probleme auftreten, müsste es auf die Intensivstation“, sagt Professor von Kaisenberg.

Autorin: Tina Götting/MHH


Tuberkulose-Impfstoff soll Immunsystem gegen Corona-Virus fit machen

Professor Schindler, die leitende Studienschwester Carola Westenberg und der leitende Prüfarzt Dr. Marcus May (von rechts). Quelle „MHH / Karin Kaiser“.

Stand: 9. April 2020

Ein Impfstoff gegen Tuberkulose könnte helfen, einen Etappensieg gegen das Corona-Virus zu erringen. VPM 1002 heißt das am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie hergestellte Präparat. Es soll das Immunsystem im Kampf gegen den Sars-CoV-2-Erreger stärken. „VPM 1002 ist die gentechnologisch verbesserte Variante eines jahrzehntealten Impfstoffs, der in vielen Ländern zur Bekämpfung des Tuberkulose-Erregers eingesetzt wird“, sagt Professor Dr. Christoph Schindler von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Leiter der Stabsstelle CRC Core Facility am Clinical Research Center Hannover. Weil der Impfstoff offenbar nicht nur gegen das Tuberkulose-Bakterium hilft, sondern die Immunantwort generell verbessert, könnte er auch die Abwehr gegen das Corona-Virus verstärken. Jetzt soll VPM 1002 in einer Studie an 1000 Teilnehmenden getestet werden, die beruflich mit dem Corona-Virus in Kontakt kommen – Ärztinnen und Ärzte sowie das Personal im Pflege- und Rettungsdienst.

„Im Idealfall verringert die Impfung die Wahrscheinlichkeit, an Corona-Virus-Disease zu erkranken“, erklärt Professor Schindler. Der Wirkstoff gelangt über das Blut in die Lymphknoten und verändert dort die körpereigenen Abwehrzellen. Wenn dann Corona-Viren die Lunge befallen, werden weiße Blutkörperchen aktiv. Die als Fress- und Killerzellen bekannten Immunzellen bekämpfen die Viren in der Lunge und hindern sie daran sich zu vermehren – wenn alles gut läuft.

Die Hoffnung: Nicht immun, aber besser geschützt

Geimpftes Klinikpersonal wäre zwar nicht gegen Sars-CoV-2 immun, könnte dank der auch gegen Virusinfektionen gestärkten Abwehrzellen aber besser geschützt sein und es gäbe weniger Ausfälle in der Krankenversorgung.  Kommt es doch zu einer Infektion, könnte die verbesserte unspezifische Immunantwort den Verlauf der Covid-19-Symptome deutlich abschwächen und sogar dann noch helfen, wenn sich das Corona-Virus verändern sollte, hofft der Mediziner. Das käme auch Risikopatienten zugute, etwa vorerkrankten oder älteren Menschen.

Die Wirkung des Immunboosters VPM 1002 soll zunächst an vier Standorten untersucht werden – neben dem CRC an der MHH sind auch Studienzentren in München, Erfurt und Borstel beteiligt. „Möglicherweise können wir bereits Ende April oder Anfang Mai die ersten Studienpatienten impfen“, sagt Professor Schindler. Zudem wird eine weitere Studie auf den Weg gebracht. In dieser sollen dann 1800 ältere Menschen geimpft werden, um den Effekt der verbesserten unspezifischen Immunantwort weiter aufzuklären. Falls sich in den Studien zeigt, dass die Geimpften tatsächlich weniger häufig oder weniger schwer an Covid-19 erkranken, könnten in wenigen Monaten Risikogruppen wie Klinikpersonal und besonders gefährdete Menschen mit VPM 1002 geimpft werden. 

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Christoph Schindler, schindler.christoph@mh-hannover.de, Telefon (0511) 5350-8300.